Warum sich mit Bullshit punkten lässt
05/05/26 15:03
Der US-Philosoph Harry Frankfurt veröffentlichte 1986 den Essay «On Bullshit». Seit dessen Erscheinen hat der Begriff nicht nur in akademischen Kreisen Furore gemacht, er ist auch generell salonfähig geworden. Die 20 Jahre später erschienene Buchversion wurde innert Kürze zum Bestseller.
Die philosophische Definition von Bullshit lautet: Äusserungen, die mit Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit erzeugt werden.
Wer über keine guten Argumente verfügt, aber hochgestochen formuliert, steht in Diskussionen oft erstaunlich gut da. Es handelt sich dabei um eine wirksame Strategie. Ob Sie es glauben oder nicht, auch zum Thema Bullshit ((zu meiner Schulzeit hiess dies «Quatscht mit Sosse»)) wird geforscht. Gerade hat der Psychologe und - ja wirklich - Bullshit-Forscher John Petrocelli im «British Journal of Social Psychology» eine Studie publiziert, die genau das obenstehend Erwähnte nahelegt. Demnach erhöht es die Überzeugungskraft eines schwachen Argumentes, wenn dieses mithilfe funkelnder Bullshit-Phrasen maskiert und präsentiert wird.
Also: Wer kein Argument ins Feld führen kann, der greift stante pede zur Bullshit-Hellebarde. Dies ist ein einfacher, bequemer Schritt, der wenig Energieaufwand bedeutet und keine lange Zeit um nachzudenken braucht. Der Schritt wirkt wie ein Angriff mit einer Hellebarde, die - halb Axt, halb Speer – sowohl für den direkten wie auch den nicht ganz nahen Nahkampf geeignet ist. Die Phrasen kommen wie eine Maschinengewehrsalve, die nur eben aus Worten besteht.
Der Bullshit ist im Grunde der Anfang vom Ende der Aufklärung. Denn gegen faktennegierende Überzeugungen kommt man leider mit Argumenten nicht an. Ein oft wiederholtes Credo lautet, man müsse jede Meinung respektieren. Aber wenn letztere blanker Blödsinn ist, muss man das nicht. Es besteht sonst nämlich die Gefahr, dass wir am Ende alle immer dümmer werden.
Die philosophische Definition von Bullshit lautet: Äusserungen, die mit Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit erzeugt werden.
Wer über keine guten Argumente verfügt, aber hochgestochen formuliert, steht in Diskussionen oft erstaunlich gut da. Es handelt sich dabei um eine wirksame Strategie. Ob Sie es glauben oder nicht, auch zum Thema Bullshit ((zu meiner Schulzeit hiess dies «Quatscht mit Sosse»)) wird geforscht. Gerade hat der Psychologe und - ja wirklich - Bullshit-Forscher John Petrocelli im «British Journal of Social Psychology» eine Studie publiziert, die genau das obenstehend Erwähnte nahelegt. Demnach erhöht es die Überzeugungskraft eines schwachen Argumentes, wenn dieses mithilfe funkelnder Bullshit-Phrasen maskiert und präsentiert wird.
Also: Wer kein Argument ins Feld führen kann, der greift stante pede zur Bullshit-Hellebarde. Dies ist ein einfacher, bequemer Schritt, der wenig Energieaufwand bedeutet und keine lange Zeit um nachzudenken braucht. Der Schritt wirkt wie ein Angriff mit einer Hellebarde, die - halb Axt, halb Speer – sowohl für den direkten wie auch den nicht ganz nahen Nahkampf geeignet ist. Die Phrasen kommen wie eine Maschinengewehrsalve, die nur eben aus Worten besteht.
Der Bullshit ist im Grunde der Anfang vom Ende der Aufklärung. Denn gegen faktennegierende Überzeugungen kommt man leider mit Argumenten nicht an. Ein oft wiederholtes Credo lautet, man müsse jede Meinung respektieren. Aber wenn letztere blanker Blödsinn ist, muss man das nicht. Es besteht sonst nämlich die Gefahr, dass wir am Ende alle immer dümmer werden.
Männiglich ist der irrigen Meinung, dass es die Überzeugungskraft eines schwachen Argumentes erhöht, wenn Letzteres mit Hilfe funkelnder Bullshit-Phrasen maskiert und präsentiert wird. Wer gute Argumente und überzeugende Evidenz in kompliziertem Jargon und mit modischen Begriffen garniert präsentiert, schmälert seine Chancen, damit andere zu erreichen. Wer wirklich etwas zu sagen hat, äussert sich so klar und präzise wie möglich. Wortgetöse vermindern nicht nur die Aufmerksamkeit der Zuhörer respektive Gesprächsteilnehmer, sondern sie reduzieren auch die Motivation, sich mit dem Gesagten inhaltlich auseinanderzusetzen und ein Argument wirklich zu prüfen. Bullshit lenkt vom Inhalt ab und lässt sich wohl als Indiz werten, dass es vielleicht gar keinen gibt.
Aber Buzzwords – pardon, Schlagwörter - wie ‘Change’, ‘Umstrukturierung’ oder insbesondere etwa ‘alle mitnehmen’ machen uns wahnsinnig. Zu unserem Leidwesen gehören solch inhaltsleere Phrasen und Floskeln heute zur Berufswelt. Aber auch in sozialen Netzwerken wollen viele mit einem imposanten Auftritt überzeugen und nicht mit dem Inhalt.
Bullshit wird inzwischen glücklicherweise in den meisten Fällen entlarvt, denn die Leute haben das hohle, nichtssagende Geschwafel der Business-School-Absolventen satt. Sie enthüllen ebenfalls zunehmend das Geschwurbel, Palaver und die Faselei der Ökonomen, Banker und Politiker. Letztere sind die besten Kunden beim Hersteller der Phrasendrescher. Das Standardmodell gibt es übrigens in verschiedenen Ausführungen. Geradezu überglücklich über die Erfindung des Phrasendreschers sind in Zeiten der Krise mit Erklärungsnöten und verbreiteter Unsicherheit offensichtlich die Verfasser von Quartalsbriefen und Jahresberichten der Finanzinstitute. Für diese Textverfasser hat die Entwicklungsabteilung des Phrasendrescherfabrikanten neuerdings phantastische Modelle mit integrierter Aussagelosigkeit hervorgebracht. Ein Beispiel gefällig? „In Zeiten eines schwierigen ökonomischen Umfeldes werden wir mit einer präzise und sorgfältig konzipierten, ausgewogenen Finanzpolitik den unberechenbaren und komplexen Herausforderungen der neuen Marktsituation entgegentreten, um uns strategisch günstig in der dynamischen und veränderten ökonomischen Landschaft zu positionieren.“ So was von inhaltsleer und substanzlos, man könnte auch sagen hohl. Es wird Zeit, dass man eine Verschrottungsprämie für Phrasendrescher verfügt, sonst geht es sowohl mit der deutschen Sprache wie auch mit dem Ideenreichtum den Bach hinab. Aber wer will denn schon Ideenreichtum. Da würde uns doch nur eine neue Reichtumssteuer aufgebürdet.
Ein geradezu unglaublicher Motor für Bullshit ist die künstliche Intelligenz (KI). Ich nenne sie „künstliche Imitation“, weil sie ja nichts neues, erfinderisches zu Wege bringt, sondern nur bekannte Inhalte neu kombiniert und assortiert. Die KI hat keine Vorstellung davon, ob eine Aussage wahr oder falsch ist. Menschen hingegen können verstehen was wahr ist. Sie können sich jedoch entscheiden, sich nicht darum zu kümmern und dann reden sie Bullshit. KI-Systeme produzieren zum grossen Teil Bullshit, auch wenn es oft nicht danach tönt. Nicht von ungefähr nennt der Gründer der Free Software Foundation Richard Stallmann die Sprachmodule Bullshit-Generatoren.
Die Marketing- und Kommunikationsexpertin Ivana Leiseder rechnet in ihren Vorträgen geradezu steinhart und kompromisslos mit den inhaltsleeren Phrasen in der Geschäftswelt ab. Sie plädiert insbesondere dafür, ehrlicher und direkter zu kommunizieren, denn „Unehrlichkeit kann lähmend wirken“.
Gemäss Leiseder zeigt sich Bullshit einerseits darin, dass man Dinge überhöht, etwa von einem «Change» spricht, wenn man einen kleinen Prozess im Unternehmen verändert. Oder man verwendet Euphemismen wie ‘Neuausrichtung’ oder ‘Umstrukturierung’, wenn es um Entlassungen geht. Und dann gibt es Buzzwords wie ‘nachhaltige Innovation’ oder ‘agil’, die für alles Mögliche ge-(miss)braucht werden, egal worum es geht. Mit Bullshit gibt man dem Gesagten einen schönen Anstrich. Als gutes Beispiel zitiert die Kommunikationsexpertin die Formulierung ‚alle ins Boot holen‘. Damit erwecke man den Eindruck, sich um alle zu kümmern, ohne jedoch konkret etwas tun zu müssen. Alle sind beruhigt, dabei passiert gar nichts.
Der Bullshitter zeichnet sich dadurch aus, dass er sich gar nicht darum schert, ob sein Gerede irgendwie einen Bezug zur Realität hat. Bullshit unterscheidet sich von der Lüge insofern, als der Lügner weiss, dass er die Unwahrheit spricht. Der Bullshitter ahnt hingegen nicht mal, was wahr oder falsch ist, und es ist ihm auch egal: Er labert, um zu beeindrucken, und doziert über Themen, von denen er keine Ahnung hat oder die keinerlei Bedeutung haben.
Ein typischer Satz lautet zum Beispiel: «Dieser synergetische Blick auf unser Thought Leadership wird sicherstellen, dass wir unsere Inhalte entkernen und Reputationsdefizite in Bezug auf unsere Kernaussagen so effektiv wie möglich vermeiden, um unseren nachhallenden Fokus auslaufen zu lassen.“ Es stellt sich die berechtigte Frage, warum vor allem Führungskräfte so oft in inhaltsleeren Floskeln sprechen? Laut dem amerikanischen Soziologen George Ritzer hat in der Geschäftswelt in den vergangenen Jahrzehnten eine «McDonaldisierung» stattgefunden: Alles wird immer effizienter, berechenbarer und standardisierter, wie in einem Fast-Food-Restaurant. Gleichzeitig sind in der Management-Literatur Konzepte wie Empathie und Teamwork immer wichtiger geworden. Vielerorts wird im Sinne von Teamarbeit erwartet, dass sich alle jederzeit zu allem äussern – unabhängig von Relevanz oder Zuständigkeit. Notgedrungen greifen dann auch die Teammitglieder zu Floskeln.
Nachhaltigkeit, Diversität, Gleichberechtigung – das sind alles hehre Ziele aber gemäss der Kommunikationsexpertin Leiseder sind auch das alles Bullshit-Wörter. Natürlich seien das im Kern wichtige Konzepte. Aber heute sind – O-Ton Leiseder - auch «Metzger nachhaltig und Babysitter divers». Die Wörter werden so viel gebraucht, dass sie am Ende nichts mehr bedeuten. Wir müssen leider davon ausgehen, dass es die Bullshit-Schwemme signifikant verschlimmert, wenn immer mehr künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, denn KI ist ein Brei aus allem, was online vorhanden ist. Und das ist eben zu einem beachtlichen Teil voller Floskeln. Wenn man diese Systeme verwendet, ohne dabei selbst mitzudenken, wird alles noch floskeliger.
Und bereits macht ein neuer Begriff die Runde, nämlich ‚corporate bullshit‘.
Ein Satz aus dieser Sparte lautet zum Beispiel: «Der synergetische Blick auf unser Thought Leadership wird sicherstellen, dass wir unsere Inhalte entkernen und Reputationsdefizite in Bezug auf unsere Kernaussagen so effektiv wie möglich vermeiden, um unseren nachhallenden Fokus auslaufen zu lassen.» Noch selten hat man einen solch hohle, unsinnige und nichtssagende Äusserung gelesen oder gehört. Da bleibt einem in der Tat die Spucke weg. Erwiesenermassen neigen Menschen, die solchen Bullshit für aussagekräftig halten, zu wenig analytischem Denken und glauben generell leichter Quatsch. Apropos: Man kann ja als Alternative zu Bullshit nebst Quatsch auch mal Unsinn, Geschwätz oder dummes Zeug sagen.
Den Vogel abgeschossen jedoch haben die Werber für eine Wasserflasche, welche das Produkt total überhöhten und als «Portable Lifestyle System» auf den Markt brachten.
Hoffentlich werden wir irgendeinmal neben der ‘entshittification’ auch noch die ‘entbullshittification’ erleben.
Aber Buzzwords – pardon, Schlagwörter - wie ‘Change’, ‘Umstrukturierung’ oder insbesondere etwa ‘alle mitnehmen’ machen uns wahnsinnig. Zu unserem Leidwesen gehören solch inhaltsleere Phrasen und Floskeln heute zur Berufswelt. Aber auch in sozialen Netzwerken wollen viele mit einem imposanten Auftritt überzeugen und nicht mit dem Inhalt.
Bullshit wird inzwischen glücklicherweise in den meisten Fällen entlarvt, denn die Leute haben das hohle, nichtssagende Geschwafel der Business-School-Absolventen satt. Sie enthüllen ebenfalls zunehmend das Geschwurbel, Palaver und die Faselei der Ökonomen, Banker und Politiker. Letztere sind die besten Kunden beim Hersteller der Phrasendrescher. Das Standardmodell gibt es übrigens in verschiedenen Ausführungen. Geradezu überglücklich über die Erfindung des Phrasendreschers sind in Zeiten der Krise mit Erklärungsnöten und verbreiteter Unsicherheit offensichtlich die Verfasser von Quartalsbriefen und Jahresberichten der Finanzinstitute. Für diese Textverfasser hat die Entwicklungsabteilung des Phrasendrescherfabrikanten neuerdings phantastische Modelle mit integrierter Aussagelosigkeit hervorgebracht. Ein Beispiel gefällig? „In Zeiten eines schwierigen ökonomischen Umfeldes werden wir mit einer präzise und sorgfältig konzipierten, ausgewogenen Finanzpolitik den unberechenbaren und komplexen Herausforderungen der neuen Marktsituation entgegentreten, um uns strategisch günstig in der dynamischen und veränderten ökonomischen Landschaft zu positionieren.“ So was von inhaltsleer und substanzlos, man könnte auch sagen hohl. Es wird Zeit, dass man eine Verschrottungsprämie für Phrasendrescher verfügt, sonst geht es sowohl mit der deutschen Sprache wie auch mit dem Ideenreichtum den Bach hinab. Aber wer will denn schon Ideenreichtum. Da würde uns doch nur eine neue Reichtumssteuer aufgebürdet.
Ein geradezu unglaublicher Motor für Bullshit ist die künstliche Intelligenz (KI). Ich nenne sie „künstliche Imitation“, weil sie ja nichts neues, erfinderisches zu Wege bringt, sondern nur bekannte Inhalte neu kombiniert und assortiert. Die KI hat keine Vorstellung davon, ob eine Aussage wahr oder falsch ist. Menschen hingegen können verstehen was wahr ist. Sie können sich jedoch entscheiden, sich nicht darum zu kümmern und dann reden sie Bullshit. KI-Systeme produzieren zum grossen Teil Bullshit, auch wenn es oft nicht danach tönt. Nicht von ungefähr nennt der Gründer der Free Software Foundation Richard Stallmann die Sprachmodule Bullshit-Generatoren.
Die Marketing- und Kommunikationsexpertin Ivana Leiseder rechnet in ihren Vorträgen geradezu steinhart und kompromisslos mit den inhaltsleeren Phrasen in der Geschäftswelt ab. Sie plädiert insbesondere dafür, ehrlicher und direkter zu kommunizieren, denn „Unehrlichkeit kann lähmend wirken“.
Gemäss Leiseder zeigt sich Bullshit einerseits darin, dass man Dinge überhöht, etwa von einem «Change» spricht, wenn man einen kleinen Prozess im Unternehmen verändert. Oder man verwendet Euphemismen wie ‘Neuausrichtung’ oder ‘Umstrukturierung’, wenn es um Entlassungen geht. Und dann gibt es Buzzwords wie ‘nachhaltige Innovation’ oder ‘agil’, die für alles Mögliche ge-(miss)braucht werden, egal worum es geht. Mit Bullshit gibt man dem Gesagten einen schönen Anstrich. Als gutes Beispiel zitiert die Kommunikationsexpertin die Formulierung ‚alle ins Boot holen‘. Damit erwecke man den Eindruck, sich um alle zu kümmern, ohne jedoch konkret etwas tun zu müssen. Alle sind beruhigt, dabei passiert gar nichts.
Der Bullshitter zeichnet sich dadurch aus, dass er sich gar nicht darum schert, ob sein Gerede irgendwie einen Bezug zur Realität hat. Bullshit unterscheidet sich von der Lüge insofern, als der Lügner weiss, dass er die Unwahrheit spricht. Der Bullshitter ahnt hingegen nicht mal, was wahr oder falsch ist, und es ist ihm auch egal: Er labert, um zu beeindrucken, und doziert über Themen, von denen er keine Ahnung hat oder die keinerlei Bedeutung haben.
Ein typischer Satz lautet zum Beispiel: «Dieser synergetische Blick auf unser Thought Leadership wird sicherstellen, dass wir unsere Inhalte entkernen und Reputationsdefizite in Bezug auf unsere Kernaussagen so effektiv wie möglich vermeiden, um unseren nachhallenden Fokus auslaufen zu lassen.“ Es stellt sich die berechtigte Frage, warum vor allem Führungskräfte so oft in inhaltsleeren Floskeln sprechen? Laut dem amerikanischen Soziologen George Ritzer hat in der Geschäftswelt in den vergangenen Jahrzehnten eine «McDonaldisierung» stattgefunden: Alles wird immer effizienter, berechenbarer und standardisierter, wie in einem Fast-Food-Restaurant. Gleichzeitig sind in der Management-Literatur Konzepte wie Empathie und Teamwork immer wichtiger geworden. Vielerorts wird im Sinne von Teamarbeit erwartet, dass sich alle jederzeit zu allem äussern – unabhängig von Relevanz oder Zuständigkeit. Notgedrungen greifen dann auch die Teammitglieder zu Floskeln.
Nachhaltigkeit, Diversität, Gleichberechtigung – das sind alles hehre Ziele aber gemäss der Kommunikationsexpertin Leiseder sind auch das alles Bullshit-Wörter. Natürlich seien das im Kern wichtige Konzepte. Aber heute sind – O-Ton Leiseder - auch «Metzger nachhaltig und Babysitter divers». Die Wörter werden so viel gebraucht, dass sie am Ende nichts mehr bedeuten. Wir müssen leider davon ausgehen, dass es die Bullshit-Schwemme signifikant verschlimmert, wenn immer mehr künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, denn KI ist ein Brei aus allem, was online vorhanden ist. Und das ist eben zu einem beachtlichen Teil voller Floskeln. Wenn man diese Systeme verwendet, ohne dabei selbst mitzudenken, wird alles noch floskeliger.
Und bereits macht ein neuer Begriff die Runde, nämlich ‚corporate bullshit‘.
Ein Satz aus dieser Sparte lautet zum Beispiel: «Der synergetische Blick auf unser Thought Leadership wird sicherstellen, dass wir unsere Inhalte entkernen und Reputationsdefizite in Bezug auf unsere Kernaussagen so effektiv wie möglich vermeiden, um unseren nachhallenden Fokus auslaufen zu lassen.» Noch selten hat man einen solch hohle, unsinnige und nichtssagende Äusserung gelesen oder gehört. Da bleibt einem in der Tat die Spucke weg. Erwiesenermassen neigen Menschen, die solchen Bullshit für aussagekräftig halten, zu wenig analytischem Denken und glauben generell leichter Quatsch. Apropos: Man kann ja als Alternative zu Bullshit nebst Quatsch auch mal Unsinn, Geschwätz oder dummes Zeug sagen.
Den Vogel abgeschossen jedoch haben die Werber für eine Wasserflasche, welche das Produkt total überhöhten und als «Portable Lifestyle System» auf den Markt brachten.
Hoffentlich werden wir irgendeinmal neben der ‘entshittification’ auch noch die ‘entbullshittification’ erleben.